Um es beim Namen zu nennen: die tropische Hitze setzte uns schon ein wenig zu. Obwohl uns die Bewohner Darwins auslachten und erklaerten, dass momentan direkt angenehmes Klima herrsche, verliessen wir die Stadt schweissgebadet. Doch noch war keine Abkuehlung in Sicht. Uns erwartete der groesste Nationalpark Australiens, der Kakadu National Park. Wo wir jedoch von den namensgebenden Voegel herzlich wenig zu sehen bekamen, draengten sich dafuer ganz andere Tiere auf. Ja, erst das Erlebnis ‘ Uebernachtung im Sumpfgebiet’ belehrte uns, was ‘Mueckenplage’ wirklich bedeutet. Nicht nur dass unser Charly seit dieser Nacht mit blutverschmierten Innendekor daherkommt, auch wir fielen den laestigen Moskitos zum Opfer. Maltraetierte Koerperextremitaeten zeugen noch heute vom aggressiven Uebergriff im Wald und Fenistil aehnliche Produkte sind seitdem zum taeglichen Grundbeduerfnis geworden.
Mit dem verbleibenden Rest an Tierliebe wendeten wir uns am folgenden Tag groesseren, aber nicht minder bissfreudigen Vertretern der Tierwelt zu – den Krokodilen. Wir hatten Glueck und erspaehten zwei Salzwasserkrokodile in freier Wildbahn. Doch damit nicht genug, am Abend praesentierte sich eine schwarze nur unweit unseres Campervans. Der Bedarf an Reptilien war damit fuer die einen von uns weitreichend gedeckt und wir wendeten uns der sportlichen Betaetigung zu.
Fuer einmal lautetet der Dresscode nicht Wanderschuhe und Rucksack sondern Flipflop und Schwimmweste. Mit dem Kanu wagten wir uns in die Kathrine Schlucht und paddelten stromaufwaerts. Das Suesswasserkrokodil blieb am Ufer und wir fanden alle unser Vergnuegen an der feuchten Sportart.
Einen Wassertank, ein bisschen Schatten, ein Plumsklo und wenn moeglich eine Barbecue Stelle waren die Anforderungen, die wir an einen Schlafplatz im Outback stellten. Solche Plaetzte tauchten rund alle 200km auf und sind heiss begehert bei Lastwagenfahrer und Unseresgleichen. Abgeschieden von jeglicher Zivilisation und umgeben von endlosen Trockenland fuehlt man sich einander recht schnell verbunden. Routenplaene und Buscherfahrungen werden ausgetauscht. Auch die Hilfsbereitschaft und Groesszuegigkeit unter Camper wird grossgeschrieben; von der Glut ueber Mueckenvertreiber bis zur Musik wird so ziemlich alles Verfuegbare geteilt.
Die Sonne verabschiedet sich bereits um 6 Uhr, bis jetzt haben wir jedoch nie in den hierzugegen normalen Tagesrythmus (7Uhr morgens aufstehen, 9 Uhr abends in den Schlafsack) gefunden. So verbrachten wir die Naechte indem wir unsere Kreativitaet beim Bemalen von jensten Gegenstaenden freien Lauf liessen. Wir brachten Sujets wie Schnabeltiere, Kaengurus oder Papageie in unsere Kunst ein, als haetten wir unser ganzes Leben in die Beobachtung dieser Kreaturen investiert. Beweise folgen.
Wenn wir schon bei Begabungen sind, alle Jassfreunde haben bei unserer Rueckkehr nicht mehr viel zu lachen. Beinahe naechtlich trainieren wir DAS SPIEL in allen Variationen und in allen Konditionen. Weder hochqualitativer Weisswein (11$ fuer den 4l Beutel) noch Temperaturen bis 38 Grad vermoegen unser Spiel zu beeinflussen. Es sei hier noch etwas zur Hygiene im Outback gesagt; Duschen sind noch duenner gesaeht als Tankstellen. Wenn wir aber einer begegneten, fiel sie umso laenger aus. Das liegt zum einen an der Schwierigkeit schamponiertes, dickes Haar mit tropfenden Wasser zu ‘spuehlen’ und zum anderen an der spektakulaeren Aussicht, die uns das Fehlen eines Vorhangs erlaubten. So liessen wir uns weder von Termiten noch von Agra Kroeten unser woechentliches Duschvergnuegen streitig machen. Das weite Land unter dem groessten Himmel ist uns ans Herz gewachsen. Der Rueckweg nach Townsville war daher von viel Wehmut gepraegt. Was bleibt sind wunderschoene und unvergessliche Erinnerungen.
Townsville hinter uns lassend begaben wir uns auf ‘the green way’, der uns bis hinauf nach Cairns fuehrte. Der Name macht der Landschaft alle Ehre, denn sie wird mit jedem Kilometer weiter noerdlich vegetationsreicher uns lebendiger. Bluehende Zuckerrohrfelder, geordnete Bananenplantagen, dicht bewaldetet Huegellandschaften und von der Sonne beschienene Wolken praegen die Idylle. Wen wundert’s da, dass wir am liebsten in eine der vielen Villen gezogen waeren und uns dem suessen Nichtstun hingegeben haetten?
Nicht weit von Ingham machten wir uns mit unserem Toyota auf in den Urwald. Eine steile Strasse mit jensten Kurven hinauf fuehrte uns der Weg zum hoechsten einstufigen Wasserfall Australiens. Nachdem wir genug Fotos von oben gemacht hatten, beschlossen wir kurzerhand, den Abstieg in Angriff zu nehmen, und bewiesen, dass wir auch mit minimaler Wanderausruestung faehig sind, wieder heil oben anzukommen. Obwohl wir bei der Fahrt durch das dichte Gruen alle Augen offen hatten, wollte uns kein Cassowary den Gefallen tun, sich zu zeigen. Anstatt diesen menschengrossen, fuer die Vegetation sehr wichtigen Laufvogel bekamen wir knallblaue Schmetterlinge, schwarzgefiederte bush turkies und Kuehe auf der Strasse zu sehen.
Im Infocentre in Tully bekamen wir eine Beratung nach Schweizerart, naemlich auf Berndeutsch. Die seit 35 Jahre lebende Schweizerin erklaerte uns mit dem groessten Vergnuegen, was sich zu sehen lohnt. Unsere Frage nach einem schoenen Ort zum Baden beantwortete sie mit einem Touristen belaechelnden Stirnrunzeln, denn es war mit morgendlichen 11 Grad Celsius der bisher kaelteste Tag dieses Winters.
Beim 14km langen Mission Beach war es dann auch uns zu kalt zum Baden und so beliessen wir es dabei, Ferienkatalog verdaechtige Fotos zu schiessen. Wieso wir im Supermarkt 2.60$ fuer eine Kokosnuss bezahlen sollten, wenn doch am Strand haufenweise davon rumliegen, fragten wir uns nicht lange, sondern griffen zu Stein und Taschenmesser, um der Kokosnuss zu Leibe zu ruecken. Dabei muessen wir allerdings so hilflos ausgesehen haben, dass ruckzuck Matt und James dastanden, um im Rekordtempo die Nuss zu knacken und uns so zum billigsten Mittagessen ever verhalfen.
Dem Strand drehten wir den Ruecken zu als wir uns ins Atherton Tableland begaben, um Wasserfaelle zu sehen. Die huegelige Landschaft erinnerte uns ans Appenzell und liess Heimatsgefuehle aufkommen. Die drei Wasserfaelle waren trotzt Wolken einige ‘ahs’ und ‘ohs’ wert, und beim dritten taten wir es unserem Schluessel gleich, der schon beim Ersten ein Vollbad genommen hat. Es war *** kalt, aber noch kaelter war die darauf folgende Dusche, die wir uns mit unserem Schlauch am einzig auffindbaren Wasserhahn verschafften.
Mit gemischten Gefuehlen erreichten wir Cairns. Die Stadt, die wir immer als Enddestination vor Augen hatten, lag nun unmittelbar vor uns und das Ende unserer Reise wurde damit immer absehbarer. Doch noch war es nicht soweit und die Schoenheit dieser Region lenkte unsere Aufmerksamkeit auf sich. Endlose Sandstraende gesaeumt von Kokosnusspalmen bieten eine einzigartige Kulisse fuer unsere Versuche in der englischen Sportart Cricket, Kunstturneinlagen oder einfach ‘il dolce far niente’.
Bis zur Abreise haben wir jedoch noch ein volles Programm: Great Barrier Reef, Cape Tribulation und der Daintree Regenwald wollen wir noch entdecken und ausgiebig geniessen.













